Bethan Huws
*1961 Bangor (Wales), lebt und arbeitet in Berlin
https://www.galerie-tschudi.ch/artists/bethan-huwsJuni 2026
-
«Sometimes we do not know what's being said to us», 2026 Siebdruck auf Arches Aquarellpapier
Auflage: 15
Bildgröße: 58,00 x 36,00 cm
Blattgröße: 76,00 x 56,00 cm
Produktion: Esther Schena | Zurich Print Institute
CHF 1’280.00 -
«Meaning is the deepest level of language», 2026 Siebdruck auf Arches Aquarellpapier
Auflage: 15
Bildgröße: 58,00 x 36,00 cm
Blattgröße: 76,00 x 56,00 cm
Produktion: Esther Schena | Zurich Print Institute
CHF 1’280.00 -
«Human is an adjective / Humanity is a noun», 2026 Siebdruck auf Arches Aquarellpapier
Auflage: 15
Bildgröße: 58,00 x 36,00 cm
Blattgröße: 76,00 x 56,00 cm
Produktion: Esther Schena | Zurich Print Institute
CHF 1’280.00 -
«We don’t need artists we need thinkers», 2026 Siebdruck auf Arches Aquarellpapier
Auflage: 15
Bildgröße: 58,00 x 36,00 cm
Blattgröße: 76,00 x 56,00 cm
Produktion: Esther Schena | Zurich Print Institute
CHF 1’280.00 -
«Black is a colour», 2026 Siebdruck auf Arches Aquarellpapier
Auflage: 15
Bildgröße: 58,00 x 36,00 cm
Blattgröße: 76,00 x 56,00 cm
Produktion: Esther Schena | Zurich Print Institute
CHF 1’280.00
Die fünf Editionen von Bethan Huws übertragen ein zentrales Motiv ihrer Praxis in den Siebdruck: die sogenannten «Word Vitrines», mit denen die Künstlerin seit 1999 arbeitet. Ursprünglich handelt es sich dabei um industriell gefertigte Informationskästen mit Glasfront, schwarzem Hintergrund und austauschbaren weissen Buchstaben – vertraute Displays aus Restaurants, Büros oder öffentlichen Räumen. Huws nutzt diese alltäglichen Träger jedoch nicht zur Information, sondern verwandelt sie durch kurze, präzise gesetzte Sätze in komplexe Bilder aus Worten.
Die Siebdrucke auf Arches Aquarellpapier übersetzen die formale Klarheit der Vitrinen – schwarzer Grund, reduzierte Typografie, starke Kontraste – in eine flächige, zugleich zurückhaltende Bildstruktur. Worte erscheinen hier nicht als Text im klassischen Sinn, sondern als visuelle Setzungen: gerahmt, isoliert und in ihrer Materialität betont. Die Nähe zum Readymade bleibt dabei spürbar – nicht als direkte Referenz, sondern als methodische Verschiebung in der Tradition von Marcel Duchamp: Ein vorhandenes System wird übernommen und durch minimale Eingriffe in ein neues Bedeutungsfeld überführt.
Entscheidend ist dabei nicht die Bindung an ein einzelnes Medium, sondern die Präzision der Aussage und ihre jeweilige Erscheinungsform. Huws’ Sätze können die Form einer Word Vitrine, eines Siebdrucks oder einer Neonarbeit annehmen. Gemeinsam ist diesen Trägern ihre Nähe zu öffentlichen, kommerziellen oder administrativen Zeichensystemen: zum Aushang, zur Anzeige, zur Leuchtschrift. Die Form schärft die Aussage, ersetzt sie aber nicht.
Ausgangspunkt dieser Werkgruppe ist eine grundlegende Differenzierung, die Huws immer wieder formuliert: Sie arbeitet nicht mit Sprache, sondern mit Worten. Während Sprache ein umfassendes System von Kommunikation bezeichnet – verbal wie non-verbal –, versteht Huws das einzelne Wort oder den einzelnen Satz als präzise gesetzten Eingriff. Eine Textsetzung steht für sich und öffnet zugleich ein Feld von Assoziationen, Bildern und Bedeutungen.
Innerhalb der Serie entfalten die fünf Arbeiten unterschiedliche Formen des Lesens und Sehens. «Sometimes we do not know what’s being said to us» thematisiert die Unsicherheit des Verstehens selbst, während «Meaning is the deepest level of language» Bedeutung als verborgene Schicht innerhalb von Sprache beschreibt. In «Human is an adjective / Humanity is a noun» wird Grammatik zu einer philosophischen Verschiebung: Das Menschliche erscheint nicht als Figur, sondern als sprachliche Kategorie. «We don’t need artists we need thinkers» formuliert eine Nähe zur konzeptuellen Kunst und zum Verständnis von Kunst als Denken. Die schwarz auf schwarz gedruckte Arbeit «Black is a colour» führt diese Reflexion in die Materialität des Drucks zurück: Der Satz ist vorhanden, aber seine Sichtbarkeit hängt vom Sehen selbst ab.
Huws’ Sätze wirken zunächst direkt, manchmal fast trocken, öffnen aber bei genauerer Betrachtung instabile Räume: zwischen Aussage und Frage, Grammatik und Philosophie, Sichtbarkeit und Bedeutung. Worte fungieren bei ihr nicht als Träger eindeutiger Aussagen, sondern als Denkimpulse. Sie benennen oft etwas, das gerade nicht präsent ist und erst im Kopf der Betrachtenden entsteht. Im Kontext der Ausstellung «WORDS» wird diese Haltung programmatisch: Im Zentrum steht nicht Sprache als abstraktes System, sondern das einzelne Wort und der einzelne Satz – als Bild, als Objekt und als Anstoss zum Denken.
Bethan Huws (*1961 in Bangor, Wales) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte am Royal College of Art in London. Wichtige institutionelle Einzelausstellungen waren unter anderem im Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz (2024), in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe (2015), im Serralves Museum of Contemporary Art, Porto (2009), im Bonnefantenmuseum, Maastricht (2006), sowie in der Tate Modern, London (2004). Ihre Werke befinden sich unter anderem in den Sammlungen der Tate Britain, London, des Centre Georges Pompidou, Paris, und des Kunstmuseums Bern.
Januar 2022
-
Wars Societies and Neon, 2021 Neonröhren, Plexiglas, Metall, Transformator
Auflage: 20
Abmessung: 52,00 x 58,00 x 6,00 cm
Produktion: Studio Bethan Huws, Berlin
vergriffen
Anfragen
Bei Bethan Huws' neuen textbasierten Neonarbeit handelt es sich um den Titel einer Installation in der Krypta des Grossmünsters in Zürich. Sie bezieht sich auf das sogenannte Guido-Relief, ein Flachrelief aus dem 12. Jahrhundert, das sich auf einem Kapitell in der Nähe der Stufen des Südportals befindet. Es zeigt sechs Männer, zwei sind in ein Duell verwickelt, vier weitere stehen in verschiedenen Posen daneben. Wie Bethan Huws bemerkt, erinnert die Szene an Bruce Naumans comicartige, stilisierte Neonfiguren aus den achtziger Jahren, vor allem «Sex and Death» (1985) und «Double Poke in the Eye II» (1985), in denen Nauman die Betrachter mit der Aggression zweier Personen konfrontiert, die wechselseitig die Rollen von Täter und Opfer einnehmen. Darüber hinaus bezieht sich die Installation auf die Glasfenster von Augusto Giacometti und Sigmar Polke, die sich ebenfalls im Kirchenschiff des Grossmünsters befinden. Neonarbeiten strahlen Licht aus und können, wie hier, mehrfarbig sein. Die einzelnen Wörter, aus denen sich der Satz zusammensetzt, rufen vielseitige Bilder in Erinnerung, die mit der Erfahrung des Betrachtens oder vielmehr des Lesens eines Werks zusammenhängen. Huws’ Ansatz ist konzeptionell und oft mit einer Prise Humor gewürzt. Neon ist aufgrund der Elektrizität ein äusserst aggressives, konkurrenzbetontes Medium – dem Krieg nicht unähnlich –, das seinen Ursprung in der Werbung hat. In diesem Kontext ähnelt die Textarbeit treffend einem Werbebanner.
Die Künstlerin hat durch ihre Kenntnisse der Linguistik ein gutes Verständnis der Sprache und ihrer universellen Eigenschaften. Ihre textbasierten Werke können oft als Anweisungen, wie man das Kunstwerk lesen und somit verstehen kann, gesehen werden. Die Einfachheit einiger weniger Worte, ist ein minimalistischer Ansatz: oft im Gegensatz zu den imperativen Aufrufen, die in zeitgenössischen textbasierten Werken vorherrschen. Huws zieht vielmehr mehrdeutige und umfassendere Aussagen vor, die oft Fragen beinhalten, auf die sie zweifellos die Antwort kennt. Es sind aber die Antworten, die sie uns vorenthält, um uns zum Nachdenken zu zwingen. Ihre Arbeiten sind oft kühn und lakonisch, mit verschmitzten Wendungen: zwischen Worten und anderen Arten von Zeichen und Bildern. Sie steht in der klassischen Tradition der Konzeptkunst, wie etwa Marcel Duchamp oder der bereits erwähnte Bruce Nauman.
Bethan Huws letzte institutionelle Ausstellung war im Kunstmuseum Winterthur (2021). Die Künstlerin hat u.a. permanente Neoninstallationen im Kunsthaus Zug, für die Stadt St. Gallen und im Kunstmuseum Winterthur konzipiert. Die Ausstellung «Wars Societies and Neon» ist vom 18. November 2021 bis zum 27. Februar 2022 im Grossmünster in Zürich zu sehen. Bethan Huws' Werke befinden sich u.a. in den öffentlichen Sammlungen des Kunstmuseums Bern, der Tate Britain, London und des Centre Pompidou, Paris.