Nora Turato
*1991 in Zagreb), lebt und arbeitet in Amsterdam
https://galerie.gregorstaiger.com/Nora-TuratoJuni 2026
-
i could live, 2026 Siebdruck auf rotem Plexiglas
Auflage: 30
Abmessung: 21,60 x 21,00 x 0,50 cm
Produktion: Lorenz Boegli, Müntschemier
CHF 700.00 -
i could love, 2026 Siebdruck auf rotem Plexiglas
Auflage: 30
Abmessung: 17,50 x 29,20 x 0,50 cm
Produktion: Lorenz Boegli, Müntschemier
CHF 750.00 -
i could be, 2026 Siebdruck auf rotem Plexiglas
Auflage: 30
Abmessung: 27,00 x 41,30 x 0,50 cm
Produktion: Lorenz Boegli, Müntschemier
CHF 900.00
Nora Turatos neue Arbeiten für die Edition VFO und Monopol Magazin sind aus dem Material entstanden, das ihr Werk seit Jahren prägt: Sprache. In unterschiedlichsten künstlerischen Medien untersucht Turato, wie Wörter zirkulieren, sich abnutzen, beschleunigen und wieder neu aufladen. Sie sammelt Sprachfragmente aus Werbung, Social Media, Nachrichten, Popkultur, Gesprächen und inneren Monologen und überführt sie in eine visuelle und körperliche Form. Sprache ist bei Turato nie nur Inhalt, sondern zugleich Rhythmus, Bild, Oberfläche und Geste.
Die drei für die Edition VFO geschaffenen Arbeiten tragen die Titel «i could be», «i could live» und «i could love». Die knappen Formulierungen wirken zunächst direkt, fast naiv, entfalten aber gerade durch ihre grammatische Offenheit eine grössere Spannung. Das «i could» beschreibt keinen festen Zustand, sondern eine Möglichkeit: sein, leben, lieben. In Turatos Werk werden solche sprachlichen Fragmente zu Momentaufnahmen einer Gegenwart, in der Identität, Begehren und Selbstentwurf ständig neu formuliert werden. Die Herzform verstärkt diese Lesart, ohne sie eindeutig festzulegen: Sie kann als Symbol für Liebe und Emotionalität gelesen werden, aber ebenso als plakatives Zeichen einer kommerzialisierten Gefühlssprache. So verbinden die Arbeiten eine scheinbar einfache Aussage mit jener Ambivalenz, die Turatos Umgang mit Sprache auszeichnet.
Gedruckt wurden die Arbeiten in gelber Schrift auf 5 mm starkem, rotem Plexiglas bei Lorenz Boegli. Die Herzform und die signalhaften Farben greifen eine scheinbar universelle Bildsprache von Liebe, Emotionalität und Popkultur auf, kippen diese aber in eine präzise, zeichenhafte Setzung. Durch die Aufhängung mit Abstandhaltern lösen sich die Werke von der Wand und erhalten einen objekthaften Charakter. Sie erscheinen als schwebende Zeichen im Raum. Die leichte Spiegelung des Plexiglases verstärkt diesen Effekt: Wer die Arbeiten nah anschaut, sieht sich zugleich selbst darin. Das «i» der Arbeit oszilliert so zwischen Künstlerin, Objekt und Betrachtenden.
In Turatos Praxis ist der Druck eng mit der Frage verbunden, wie Sprache aus dem mündlichen, digitalen und öffentlichen Raum in eine körperliche Form überführt wird. Wörter und Sätze erscheinen bei ihr nicht nur gesprochen oder geschrieben, sondern werden zu Bildern, Zeichen, Objekten und räumlichen Setzungen. Der Siebdruck eignet sich dafür besonders, weil er die Direktheit von Plakat, Werbung und öffentlicher Kommunikation aufnimmt und zugleich eine präzise materielle Präsenz erzeugt. Auch in den drei Arbeiten für die Edition VFO wird Sprache nicht illustrativ verwendet, sondern als visuelles Material gesetzt: Die kurzen Sätze wirken wie Fragmente aus einem grösseren Strom von Versprechen, Selbstansprache und Begehren. Ihre Bedeutung entsteht nicht allein durch das, was sie sagen, sondern durch ihre Form, ihre Farbe, ihren Träger und ihre Präsenz im Raum.
Nora Turato (*1991 in Zagreb) lebt und arbeitet in Amsterdam. Ihre jüngsten institutionellen Einzelausstellungen waren unter anderem am ICA London (2025), im Stedelijk Museum Amsterdam (2024), im Museum of Modern Art, New York (2022), und in der Secession, Wien (2021), zu sehen. Ihre Arbeiten befinden sich unter anderem in den Sammlungen des Museum of Modern Art, New York, und des Mudam Luxembourg.