Valentin Rilliet
*1996 Genf, lebt und arbeitet in Paris
https://valentinrilliet.comSeptember 2026
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Ghost of a Dragonfly, 2026 Lithografie
Auflage: 12
Bildgröße: 53,80 x 43,30 cm
Blattgröße: 56,00 x 45,70 cm
Produktion: Steindruckerei Wolfensberger | Zurich Print Institute
CHF 800.00 -
Heist, 2026 Lithografie
Auflage: 12
Bildgröße: 53,00 x 42,60 cm
Blattgröße: 55,00 x 44,80 cm
Produktion: Steindruckerei Wolfensberger, Zürich
CHF 800.00 -
Aquamarine, 2026 Lithografie
Auflage: 12
Bildgröße: 42,00 x 53,20 cm
Blattgröße: 44,30 x 55,00 cm
Produktion: Steindruckerei Wolfensberger, Zürich
CHF 800.00 -
An Escape in Jade, 2026 Lithografie
Auflage: 12
Bildgröße: 69,40 x 97,20 cm
Blattgröße: 71,20 x 99,40 cm
Produktion: Steindruckerei Wolfensberger, Zürich
CHF 1’200.00
Valentin Rilliets vier neue Lithografien entstanden im Rahmen eines über neun Monate angelegten Workshops in der Steindruckerei Wolfensberger. Für Rilliet, der vorwiegend mit Ölmalerei und Tusche arbeitet, entwickelte sich die Lithografie dabei zu einer eigenständigen erzählerischen Form, in der der jeweilige Stein Format und Bildausschnitt vorgab. Der schrittweise Aufbau der Bilder aus einzelnen Farbebenen verlangte, Komposition, Gewichtung und Farbigkeit mit jedem Druckvorgang neu abzustimmen. Anstatt die vier Motive formal anzugleichen, nutzte Rilliet den langen Arbeitsprozess, um die heterogene Bildsprache seiner Praxis weiterzuentwickeln.
Die Bildwelten des Künstlers wirken wie Ausschnitte aus Erzählungen, deren Anfang und Ende ausserhalb des Dargestellten liegen. Rilliet arbeitet ähnlich wie ein Filmemacher oder Autor, der zu Figuren und Situationen zurückkehrt, ihnen neue Rollen gibt und sie in andere Zusammenhänge versetzt. Zu seinem Bildarchiv gehören kunsthistorische Motive, Mythen, historische Bildquellen und persönliche Beobachtungen. Eine wichtige Inspirationsquelle sind die Lián Huàn Huà, populäre chinesische Bildgeschichten, die im 20. Jahrhundert unter anderem für politische Propaganda und Bildung eingesetzt wurden. Rilliet übernimmt daraus einzelne Figuren und Bildfragmente, ohne die ursprünglichen Geschichten weiterzuerzählen. So entstehen Szenen, bei denen unklar bleibt, was auf Erinnerung, historischer Vorlage oder Erfindung beruht.
In «Heist» wird eine Ernteszene zum möglichen Tatort. Eine vermummte Figur ist mitten in einer Bewegung festgehalten und trägt über ihrer Schulter einen gefüllten Sack. Einzelne Bildfelder zeigen einen verschnürten Beutel, orangefarbene Früchte und dichtes Kürbislaub. Sie ordnen die Handlung nicht wie eine klassische Bildfolge, sondern wirken comicartig. Der Titel legt einen Diebstahl nahe, doch bleibt unklar, ob die Figur stiehlt, sammelt oder selbst auf der Flucht ist.
«Ghost of a Dragonfly» reduziert die Szenerie radikal. Ein in sich verdrehtes rotes Fabelwesen nimmt fast das gesamte Blatt ein. Ihm gegenüber schwebt eine kleine, helle Libelle im schwarzen Raum. Der Titel kehrt die Gewichtung des Bildes um: Nicht die dominante Kreatur wird benannt, sondern das beinahe schwerelose Insekt. «Ghost» kann sich hier sowohl auf die Libelle als auch auf die Kreatur beziehen – das scheinbar kafkaeske Treffen ist von einer heiteren Empfindsamkeit geprägt.
In «Aquamarine» hält eine Person in gelber Kleidung einen karpfenartigen Fisch, während beide von aufgewühltem Wasser und wolkenartiger Bewegung umgeben sind. Die Hände können den Fisch retten, festhalten oder ihm den Weg versperren. In der chinesischen Bildtradition ist der Karpfen mit Vorstellungen von Ausdauer und Wandlung verbunden. Rilliet greift diese Symbolik jedoch nicht als eindeutige Erzählung auf, sondern übersetzt sie in eine körperliche Begegnung mit offenem Ausgang. Die helle, beinahe pastellartige Farbigkeit des Bildraums verleiht der Komposition eine fast meditative Qualität.
«An Escape in Jade» ist das einzige Grossformat der Gruppe und erweitert die Begegnungen der drei mittelformatigen Blätter zu einer vielteiligen Interieurszene. Zwei janusköpfige Frauenfiguren treten aus einer Tür hervor, eines filigran und präzise gesetzten Interieurs. Das elegante Interieur ist Kulisse und Hintergrund zugleich. Graue Wolken verdecken Teile der Architektur und unterbrechen mögliche Wege durch das Bild. Der Raum erinnert an eine Bühne, auf der verschiedene Momente gleichzeitig sichtbar werden. Der Titel kündigt eine Flucht an, doch bleibt unklar, wo sie beginnt und wohin sie führen könnte.
Trotz ihrer unterschiedlichen Farbigkeit, Perspektive und Atmosphäre verbindet die vier Arbeiten eine Form produktiven Unbehagens. Die Betrachtenden finden sich inmitten von Ereignissen wieder, die bereits begonnen haben, deren Richtung sich jedoch nicht bestimmen lässt. Darin berührt sich Rilliets Arbeit mit jener von R.B. Kitaj und Sanya Kantarovsky: in der fragmentierten Erzählweise, der psychologischen Spannung der Figuren und einer Bildsprache, in der kunsthistorische Bezüge spürbar bleiben, ohne sich vollständig entschlüsseln zu lassen.
Die Lithografien erscheinen dabei weniger als Übertragungen seiner Malerei denn als eigenständige Malereien auf Papier. Farbe für Farbe sind sie langsam aufgebaut und so präzise durchgearbeitet, dass aus der handwerklichen Konzentration etwas Rätselhaftes entsteht. Rilliets bildnerische Meisterschaft liegt in dieser Verbindung von Kontrolle und Offenheit: Jedes Detail scheint bewusst gesetzt, ohne die Bedeutung der Bilder festzulegen. Ihre mystische Qualität entsteht nicht durch ein einzelnes Symbol, sondern durch das Gefühl, dass hinter jeder dargestellten Szene noch eine weitere verborgen liegt. Je länger man die Arbeiten betrachtet, desto weiter öffnen sich ihre Geschichten – ohne ihr Geheimnis preiszugeben.
Valentin Rilliet (*1996 in Genf, lebt und arbeitet in Zürich) erhielt im Jahr 2023 das Exzellenzstipendium der Yvonne Lang-Chardonnens Stiftung. Seine Werke wurden unter anderem in der Galerie Peter Kilchmann in Zürich (2026) und Paris (2025), bei LINSEED Projects in Shanghai (2024) und im Espace TOPIC in Genf (2024) gezeigt. Arbeiten von ihm befinden sich unter anderem in den Sammlungen der Schweizerischen Nationalbank, der Stadt Zürich und der Schweizerischen Post.
Die Produktion dieser Arbeiten wurde durch die Fachstelle Kunstsammlung des Kantons Zürich ermöglicht.