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02.11.2022 | Edition VFO

Opening: Edition November «Staging the Ordinary»

Opening: Edition November «Staging the Ordinary»

Unsere Öffnungszeiten während des Zurich Art Weekend:
Freitag, 11. November, von 11 bis 21 Uhr
Samstag, 12. November, von 11 bis 18 Uhr
Sonntag, 13. November, von 11 bis 18 Uhr


Vernissage: Freitag, 17 bis 21 Uhr
Walk-Through (en): Samstag, 13 Uhr
Brunch: Sonntag, 11 bis 13 Uhr

«Staging the Ordinary» ist die erste Ausstellung der Edition VFO (Verein für Originalgraphik) in den neu bezogenen Räumen des Löwenbräukunst-Areals in Zürich. Diese Gruppenausstellung markiert auch den Auftakt zum 75-jährigen Jubiläum des Kunstvereins, der 1948 in Zürich gegründet wurde. «Staging the Ordinary» vereint unterschiedliche künstlerische Positionen, die sich mit zentralen Themen der Inszenierung beschäftigen. Dazu gehört auch die Erprobung bestimmter Handlungen in Raum und Zeit, die schliesslich im performativen Akt der Aufführung öffentlich wahrnehmbar werden. Neben der Zurschaustellung alltäglicher Objekte und Gegenstände wird auch das Spektakel, das etwa auf einer Bühne stattfindet, zum Thema. Das «Spektakel» wird hier nicht im Sinne von Guy Debords berühmtem Essay «Die Gesellschaft des Spektakels»[1] negativ konnotiert aufgefasst, sondern viel mehr als «Theater des Alltags»[2] verstanden.

Ulla von Brandenburg entführt uns mit drei Lithografien in die teils absurde Welt des Theaters. Die farbigen Ebenen des Vorhangs spielen in zwei Werken der Serie eine besondere Rolle, indem sie die räumliche Trennung zwischen Publikum/Realität und Bühne/Schauspiel offenlegt. Charlotte Herzig choreografiert verfremdete Motive wie Blätter, Hände, Sträucher und Hügel in farbenfrohen Traum-Landschaften. Die Spontaneität der Anordnungen und Variationen der aquarellierten Miniaturen machen die Werke zu seriellen Unikaten. In Izidora I LETHEs Arbeiten geht es um das vernachlässigte Wissen, das in Körpern gespeichert ist. Bewegungen des Körpers werden im Tiefdruck in Bewegungslinien übersetzt, die in faszinierenden Verästelungen und Farbspektren münden. Zilla Leutenegger hingegen inszeniert das Bücherregal als visuelles Markenzeichen von Interieurs. Spielerisch ist die Arbeit zwischen Fotografie und Malerei angesiedelt und funktioniert als Papierarbeit sowie auch als aufgezogenes Installationsobjekt. Caro Niederers erste malerische Lithografie ist auf Basis einer Fotografie entstanden. Die Innenhofszene von Vernissage-Besucher:innen verwischt das Rollenverhältnis zwischen Bild, Raum und Publikum. Die foto-lithografischen Werke von Roman Signer sind Stills aus der Aktion «Überfliegen der Zeitung» (1997), von denen vier erstmalig als Druckedition verlegt werden. Signer inszeniert in humorvoller Manier das Ritual des Zeitungslesens und überträgt in der Aktion die gedruckten Nachrichten auf einen Videomonitor, was am Ende in unerwarteten, abstrakten Glitches mündet.

«Staging the Ordinary» bringt ein grosses Spektrum an neuen Werken zusammen, das vor allem durch seine verschiedenen intermedialen Kombinationen wie Flachdruck und Fotografie, Lithografie und Aquarell, sowie Monotypie und Tiefdruck klassische Vorstellungen der Druckgrafik herausfordert. Zusätzlich eröffnet die Ausstellung, nicht nur aufgrund der grossformatig produzierten Werke und der Installation von Zilla Leutenegger, eine spannende Perspektive hinsichtlich der Inszenierung von Grafik im Raum – sowohl inhaltlich wie auch formal. Wir freuen uns mit dieser besonderen Editionsausstellung das Jubiläumsjahr in unseren neuen Räumen einzuleiten.



[1] Guy Debord: Die Gesellschaft des Spektakels. Edition Tiamat, Berlin 1996.

[2] Vgl. Erving Goffman: Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. München 2003.