Valentina Stieger

*1980 St. Gallen, lebt und arbeitet in Zürich

https://valentinastieger.com/pictures/687710

Februar 2026

  1. Passepartout (My Family), 2025
    Passepartout (My Family), 2025 Siebdruck auf satiniertem Papier
    Auflage: 12
    Bildgröße: 40,00 x 50,00 cm
    Blattgröße: 40,00 x 50,00 cm
    Produktion: Esther Schena, Zürich
    CHF 640.00
  2. Passepartout (Victoria), 2025
    Passepartout (Victoria), 2025 Siebdruck auf satiniertem Papier
    Auflage: 12
    Bildgröße: 40,00 x 50,00 cm
    Blattgröße: 40,00 x 50,00 cm
    Produktion: Esther Schena, Zürich
    CHF 640.00

In ihrer Edition «Passepartout (My Family)» und «Passepartout (Victoria)» setzt sich Valentina Stieger mit Normformaten auseinander, die unseren Alltag prägen. Basierend auf Einlageblättern von Fotorahmen und vorgefertigten Passepartouts hat die Künstlerin zwei digitale Fotomontagen im Siebdruck umgesetzt, die mit den technischen Besonderheiten des Mediums spielen. Die Edition erscheint in Kooperation mit der Kunstsammlung des Kantons St. Gallen.

Für ihre Fotomontagen verwendet Valentina Stieger Einlageblätter aus ihrem persönlichen Fundus. Es sind klassische Schutzblätter von Standardrahmen mit den Produktinformationen und stereotypen Abbildungen wie einer prallen roten Rose oder einem eng umschlungenen Liebespaar. Diese kombiniert die Künstlerin mit Passepartout-Vorlagen, die eine klare, symmetrische Struktur vorgeben und gleichzeitig einige Elemente und Figuren überdecken. Durch die Verdichtung der Motive wird deren Künstlichkeit betont. Die klischeehafte Bildsprache, die uns auch aus Hollywood-Filmen und der Werbung bekannt ist, entpuppt sich als Idealisierung und Romantisierung heteronormativer Liebesbeziehungen.

Ein weiterer Aspekt von Valentina Stiegers Edition ist die Thematik von Erinnerung und Vergänglichkeit. Im Zeitalter der Smartphones hat sich die digitale Fotografie als Medium etabliert, um besondere Momente festzuhalten. Die Ästhetik der Einlageblätter weckt mit ihrer aufgeladenen Sentimentalität ein Gefühl von Einzigartigkeit und Zeitlosigkeit. Doch die Austauschbarkeit des Abgebildeten ist dem Konzept des Wechselrahmens per se innewohnend.

Die «Perfektion» der dargestellten Beziehungen und Erinnerungen in Stiegers Fotomontagen wird im Druckprozess bewusst wieder dekonstruiert: Die Künstlerin spielt mit Verschiebungen, sichtbarer Rasterung, Überlagerungen und dem Moiré-Effekt. Letzterer wird im Siebdruck üblicherweise als Fehler betrachtet, hier jedoch nimmt er das gestreifte Muster auf dem T-Shirt einer der Kinderfiguren wieder auf. So sind im Produktionsprozess verschiedene Variationen der beiden Motive entstanden, die zur Reflexion über Vervielfältigung versus Einzigartigkeit einladen. Valentina Stieger zeigt ihre Edition in einem minimalistischen Lehni-Wechselrahmen von 1976. Der Rahmen betont den konzeptuellen Charakter der Werke und kontrastiert gleichzeitig deren leicht antiquiert wirkende Ästhetik.

Valentina Stieger hinterfragt in ihrer Praxis, wie Möbel, Objekte, Kleidung und ganze Räume von standardisierten Formen bestimmt werden. In praktischer Hinsicht vereinfacht die Standardisierung das Leben, denn sie bietet eine gemeinsame Sprache, die es uns ermöglicht, das passende Stück zu finden. Auf psychologischer Ebene vermitteln bekannte Formen ein Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit. Im Fall von sozialen Codes, wie beispielsweise Kleidung, vermittelt es auch ein Gefühl von Zugehörigkeit. Doch manchmal können Normsysteme auch einengen, und Standards tendieren dazu, spezifische Vorstellungen – etwa von gesellschaftlichen Strukturen oder Rollenbildern – zu verankern und zu festigen. Für Valentina Stieger sind diese unterschiedlichen Ebenen im Wechselrahmen auf spannende Weise verschachtelt. In ihrem Werk Untitled (Because you saw me when I was invisible) (2023) hat die Künstlerin erstmals vorgefertigte Rahmen als «Found Objects» installativ im Raum präsentiert, um zu eruieren, wie diese Alltagsobjekte uns vorschreiben, was ein Porträt ist und wie es ästhetisch auszusehen hat.

Valentina Stieger (*1980, St. Gallen) lebt und arbeitet in Zürich, wo sie 2013 ihren Master of Fine Arts an der ZHdK abgeschlossen hat. Sie erhielt 2024 den Werkbeitrag des Kanton Zürich und das Atelierstipendium der Stadt Zürich an der Cité International des Arts in Paris. Ihre Werke wurden in verschiedenen Institutionen wie dem Helmhaus Zürich (2023), der Kunsthalle 8000 in Wädenswil (2022), dem Kunstmuseum St.Gallen (2021) und dem Kunsthaus Glarus (2021) ausgestellt.

Die Produktion dieser Edition wurde durch die Unterstützung der Kunstsammlung des Kantons St. Gallen ermöglicht.

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