12.06.2026 - 12.09.2026 | One Wall Edition Juni

Christian Herdeg «Language of Light»

Die Ausstellung «Language of Light» zeigt Christian Herdegs neue Edition «Neon meets Argon» zusammen mit dem Werk «Cobalt/Coralrose» von 2017 und der erstmals präsentierten Arbeit «Figure Three» von 2026. Im Zusammenspiel der drei Werke wird deutlich, dass Herdeg nicht nur mit Licht arbeitet, sondern Licht, Farbe und Fläche als miteinander verbundene Elemente versteht. Seine Neon- und Argonröhren erscheinen als Linien im Raum, treten jedoch immer in Beziehung zu Acrylglas, bemalten Oberflächen, architektonischen Situationen und den umliegenden Wänden, auf denen sich Farbe ausbreitet, reflektiert und verändert.

Seit den frühen 1970er-Jahren zählt Christian Herdeg zu den wichtigsten Vertretern der Lichtkunst in der Schweiz. Früh begann er, mit Neon- und Argonröhren als eigenständigem künstlerischem Material zu arbeiten. Während viele Neonarbeiten im Umfeld der Pop Art Sprache, Zeichen oder erzählerische Elemente verwendeten, entwickelte Herdeg die Röhre zunehmend zur autonomen Linie. Entscheidend wurde dabei nicht nur die Form des Lichtkörpers, sondern sein Verhältnis zu Architektur, Oberfläche und Bewegung. Immer wieder untersuchte Herdeg, wie Licht auf Materialien reagiert, wie es sich bricht, reflektiert oder ausdehnt.


«Language of Light» 2026, Edition VFO, Foto: Bernhard Strauss

Gerade in Herdegs Auseinandersetzung mit monochromen Flächen zeigt sich, dass Licht bei ihm nicht isoliert erscheint, sondern an Träger, Wand und Raum gebunden ist. Farbige Acrylgläser, bemalte Elemente und reflektierende Materialien werden zu Flächen, auf denen sich Licht ausbreitet und verändert. So erinnert seine Lichtkunst an Fragen der Farbfeldmalerei, ohne selbst Malerei im klassischen Sinn zu sein: Farbe entsteht nicht allein in der Röhre, sondern im Zusammenspiel von Lichtquelle, Oberfläche und Wahrnehmung.

Die neue Edition «Neon meets Argon» führt diese Fragen in konzentrierter Form zusammen. Zwei gebogene Röhren – eine rot leuchtend, die andere blau – kreuzen sich in einer präzisen, beinahe schwebenden Bewegung. Auf den ersten Blick wirkt die Arbeit reduziert; durch die Überlagerung der beiden Lichtfarben entsteht jedoch ein vibrierendes Feld aus Übergängen, Reflexionen und optischen Verschiebungen. Das warme, expansive Rot des Neons und das kühlere, fast immaterielle Blau des Argons erzeugen im Zusammenspiel eine beinahe körperliche Präsenz des Lichts.


«Language of Light» 2026, Edition VFO, Foto: Bernhard Strauss

Das Werk «Cobalt/Coralrose» von 2017 erweitert diesen Dialog um eine horizontal angelegte Arbeit. Eine kobaltblau leuchtende Argonröhre liegt in einem schmalen Acrylglaskasten und wird von einem korallenrosafarbenen Lichtfeld umgeben, das Wand, Objekt und Raum miteinander verbindet. Im Vergleich zu «Neon meets Argon», in der sich zwei gebogene Röhren kreuzen, erscheint «Cobalt/Coralrose» als konzentrierte Linie: ruhiger, flächiger und zugleich ebenso räumlich. Die Arbeit zeigt exemplarisch, wie Herdeg mit wenigen Mitteln ein Farbfeld erzeugt, das nicht gemalt ist und dennoch malerisch wirkt.

 


«Language of Light» 2026, Edition VFO, Foto: Bernhard Strauss

Mit «Figure Three» von 2026 wird diese Verbindung von Lichtkörper und Farbfläche nochmals anders formuliert. Die Arbeit besteht aus einer Argonröhre sowie Gouache und Acryl auf Buchenholzelementen. Zwei Rosatöne und ein tiefes Schwarz bilden ein kompaktes Farbfeld, das durch die Argonröhre in ein wechselndes Verhältnis von Oberfläche, Schatten und Licht tritt. Die Arbeit steht damit an einer Schnittstelle zwischen Lichtskulptur, Wandobjekt und abstraktem Bild. Sie macht sichtbar, wie Herdeg Farbe nicht nur als optisches Phänomen, sondern auch als materiellen Träger von Licht versteht.

Herdeg selbst beschrieb seine Kunst einmal als «abstrakt erzählerisch». Tatsächlich entwickeln seine Arbeiten eine Spannung zwischen Kontrolle und Offenheit, zwischen technischer Präzision und poetischer Erscheinung. Die Linie wird bei ihm nicht zur Grenze, sondern zur Ausdehnung im Raum; die Fläche nicht zum Hintergrund, sondern zum aktiven Teil des Werks. «Language of Light» zeigt damit drei unterschiedliche Zustände von Licht: als autonome Linie, als atmosphärisches Farbfeld und als Verbindung von Röhre, Körper und Bildfläche.