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November 2019

  • Corinna
  • Thermoformiertes Plastik, handbemalt
  • Auflage: 15
  • Abmessung: 90,00 cm x 62,00 cm x 11,00 cm
  • Produktion: Atelier Muro, Genève / Ateliers construction décors de la Radio Télévision Suisse
  • CHF 1200.00
  • verfügbar
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  • Figueras
  • Linolschnitt auf 70g Awagami (Unikate)
  • Auflage: 7
  • Blattgröße: 185,00 cm x 96,00 cm
  • Produktion: Atelier Muro, Genève
  • CHF 2000.00
  • verfügbar
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In seinem Werk schafft Denis Savary durch die Wahl von Motiv, Farben und Wölbungen ein Netzwerk von Bedeutungen, das die Bereiche Literatur, Kunstgeschichte und Industriedesign umspannt.
Eine überdimensionale, thermogeformte und schwarz bemalte Erdbeere wird reliefartig an die Wand platziert, wie aus einem Traum hervorgerufen. Das Objekt mit dem Titel Corinna – zu Ehren der Waadtländer Schriftstellerin Corinna Bille (1912-1979) – bezieht sich auf eine berühmte Novelle der Autorin namens Schwarze Erdbeeren. Neben diesem Hinweis auf die für den französischsprachigen Kulturraum prägende Literatin – eine Form der Reaktivierung ihrer Schriften – ist Savarys Wandplastik auch eine direkte Anspielung auf die Kunstgeschichte und ihr Symbolpotenzial. Die schwarze Erdbeere, die aus der späten Ernte im November stammt, ist seit dem Mittelalter ein erotisches Symbol und häufig in den Gemälden von Hieronymus Bosch anzutreffen. In einem zeitlichen Gegensatz dazu rekurriert der Einsatz von thermogeformtem Kunststoff auf eine kommerzielle Technik der industriellen Massenproduktion. Eine radikale Drucktechnik, die seit den 1960er-Jahren von Pop-Künstlern wie Claes Oldenburg und Richard Hamilton eingesetzt wurde.
Viele Werke Savarys zeigen seine Neigung, Geschichten aus der Welt der Kultur zu reaktivieren und dabei auf die Beziehungen am Rande der Künstlerbiografien zu verweisen. Ob durch die beinah parodische Nachbildung von Kokoschkas Puppe oder durch die Variation von Félix Vallottons Serie Intimités, Savary verhilft ungewöhnlichen Geschichten zum Leben. Der Linolschnitt mit dem Titel Figueras bezieht sich auf die Herkunftsstadt des Künstlers Salvador Dalí. Er stellt einen lebensgrossen Sonnenschirm dar, der wie an einem Tag ohne Sonne zusammengeklappt ist. Die konische Struktur erinnert an Dalís Interpretation der bauta, eines venezianischen Kostüms, das im 18. Jahrhundert bei geheimen Treffen während des Karnevals in Venedig getragen wurde. Anlässlich des sagenumwobenen Balls von Carlos de Beistegui am 3. September 1951, auch bekannt als „Fest des Jahrhunderts“, schuf der spanische Künstler in Zusammenarbeit mit dem Modeschöpfer Pierre Cardin in seinem Theatermuseum in Figueras eine Variation dieses dreiteiligen Kostüms mit einem schwarzen Dreispitz, einer Maske und einem Schleier.
Als weitere Referenz an Dalí darf die Farbwahl der Sonnenschirme verstanden werden, die dem Farbton der Dauerlutscher der spanischen Firma Chupa Chups entspricht, für die Dalí 1958 das erste Logo entworfen hat.
Denis Savarys künstlerische Praxis spiegelt seine Experimentierfreude und seine Begeisterung an der Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und Handwerkern wider. Savary greift so unterschiedliche Techniken wie Video, Skulptur und Zeichnung auf und inszeniert in seinen Werken Fachkenntnisse sowie literarische und ikonografische Quellen, die scheinbar nichts miteinander gemeinsam haben. Während des Entstehungsprozesses werden verschiedene Geschichten in die Werke integriert.

Denis Savary erwarb seinen Abschluss in Bildender Kunst 2004 an der École cantonale d'art de Lausanne (ECAL), wo er derzeit als Professor tätig ist. Seine Arbeiten wurden in Einzelausstellungen unter anderem in der Kunsthalle Bern (2012), im MAMCO in Genf (2015) und im Musée des Beaux-Arts in La Chaux-de-Fonds (2019) gezeigt. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Swiss Art Award 2004 und 2007 sowie 2018 das Londoner Atelier-Stipendium von der Landis & Gyr Stiftung.

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  • ACIDES
  • Aquatinta/Radierung
  • Auflage: 24
  • Blattgröße: 56,00 cm x 72,00 cm
  • Produktion: Atelier Genevois de Gravure Contemporaine
  • CHF 680.00
  • verfügbar
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Ob im öffentlichen Raum oder in ihren abstrakten Kompositionen, Carmen Perrin hat die Schweizer und französischsprachige Kunstszene mit ihrer Praxis der Subtraktion von Materie geprägt. Löcher, die sorgfältig gebohrt oder vom Träger entfernt werden, zeigen Farben, Licht oder – wie in diesem Fall – Buchstaben. Das Wort, das in sukzessiver Abtönung auf dem Blatt erscheint, bezieht sich semantisch auf ebenjenes Prinzip der Subtraktion oder Auslöschung. Während das Wort „acid“ seit den 1960er-Jahren häufig mit der von Albert Hofmann erfundenen Substanz verbunden wird, die dafür bekannt ist, die Tore der Wahrnehmung zu öffnen, bleibt die Säure in erster Linie eine korrosive Flüssigkeit. Sie wird im Ätzprozess verwendet und ist von grundlegender Bedeutung für die Realisierung von Aquatinten. Die Kupferplatten werden in ein Säurebad getaucht, damit die aggressive Substanz die Flächen markiert, die auf dem Papier erscheinen sollen. Wie in Carmen Perrins grossen Kompositionen wird das Motiv durch die Löschung der Materie offenbart.
Die progressive Abstufung der Buchstaben im Wort „acides“, von einem sehr hellen „A“ zu einem sehr dunklen „S“, ist eine technische Meisterleistung. Die den Druck tragende Kupferplatte musste dutzende Male – manchmal extrem kurz – in Säure getunkt werden. Wie um einer Form des ewigen Werdens zu entkommen, wurden die Buchstaben graduell mit einem Lack überzogen, der vor der Aggression der Flüssigkeit schützt. Das Werk wird dann fast tautologisch. Ähnlich wie Joseph Kosuths konzeptuelle Installation One and Three Chairs oder seine berühmte Tautologie „Art is the definition of art“, ist das Wort ACIDES hier durch Säure dargestellt.
In ihren skulpturalen Arbeiten sowie den in-situ-Installationen und Interventionen im öffentlichen Raum verwendet Carmen Perrin alltägliche Materialien, sowohl industrielle als auch organische. Die Künstlerin setzt sich mit unserer Wahrnehmung von Volumen auseinander und spielt dabei mit Spannung, Kontrasten und Leere. Textuelle Elemente heben gelegentlich den konzeptionellen Aspekt ihres künstlerischen Ansatzes und ihrer Forschung über Gestik und Textur hervor.

Carmen Perrin erhielt ihren Abschluss an der École supérieure des Arts Visuels (ESAV) in Genf 1980. In jüngster Zeit wurden ihre Arbeiten in grossen Einzelausstellungen gezeigt, unter anderem in diesem Jahr im Kunsthaus Grenchen (2019). Ihre Werke befinden sich in verschiedenen Sammlungen, darunter im Musée d'art et d'histoire in Genf, im Aargauer Kunsthaus in Aarau, in der Joan Miró Stiftung in Barcelona und im Centre Pompidou in Paris.

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  • Untitled
  • Siebdruck
  • Auflage: 30
  • Bildgröße: 30,00 cm x 30,00 cm
  • Blattgröße: 40,00 cm x 40,00 cm
  • Produktion: Symetria, St. Louis
  • CHF 700.00
  • verfügbar
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Olivier Mossets neue Arbeit Untitled ist im Geiste der geometrischen Abstraktion geschaffen. Der Künstler konzipierte ein klassisches goldenes Raster, das im Siebdruck auf einem Blatt der (für seine Massstäbe eher kleineren) Grösse von 40 x 40 cm seine Wirkung entfaltet. Die Idee dieser Arbeit basiert auf der gegenwärtigen Konzeption einer ortsspezifischen Installation am Wasserturm „Torre dell’acqua di Novello“ in der Weinregion Barolo in Norditalien – den rechtwinkligen Gittern, die den Wasserturm umspannen, wird ein neuer Anstrich mit goldener Farbe verliehen. Das Auftragen goldener Farbe auf die Zäune des Wasserturms ist ein künstlerischer Akt des minimalistischen Eingriffs in den Status quo des Gitters als Gebrauchsgegenstand. Hier wird konkrete Kunst in ihrer puren Abstraktion innerhalb einer vorgesehenen formalen Struktur im öffentlichen Raum angewendet. Die Fragen der geometrischen Abstraktion und des Rasters sind zentral in der Kunst der Moderne des 20. Jahrhunderts, auf die sich Mossets Œuvre seit den 1960er-Jahren bezieht. In Rosalind Krauss‘ berühmtem Essay „Grids“ bezieht sich die Kritikerin auf das Raster als eine Struktur, die seit jeher für den modernistischen Anspruch innerhalb der bildenden Kunst emblematisch sei; es habe, so Krauss, eine ästhetische Vormachtstellung. Abgeflacht, geometrisiert und geordnet seien die Raster des 20. Jahrhunderts, aber auch antimimetisch, antinatürlich und antireal. Im Falle dieser Arbeit begegnen wir stattdessen einem ganz anderen Raster, ein Gitter, das dem Alltag entnommen ist und sich räumlich auf ein Blatt übertragen lässt. Das Gitter stellt auch eine Weiterentwicklung des Fensters dar, so auch hier, denn durch ein Gitter schaut man hindurch, es ist eine Matrix der Trennung zwischen Betrachter und betrachtetem Hintergrund. Wie schon die berühmte Gruppe der „Window“-Arbeiten des Hard-Edge-Malers Ellsworth Kelly, die Olivier Mosset in der Edition „After Kelly, Window Museum of Modern Art“ für die Fondation Beyeler im Jahre 2006 replizierte, zeigt sich auch hier eine Neuformulierung der Räumlichkeit des Bildträgers in Bezug auf eine abstrakte Form. Olivier Mosset ist ein Vertreter der abstrakten und geometrischen Malerei. Er interessiert sich für die Systeme der Kunst und insbesondere für den Begriff des Kunstwerks als soziales Objekt. Während seine Serien von Kreisen jedwede Idee von Einzigartigkeit, Originalität oder Neuheit verhöhnen, heben seine monochromen Gemälde die Autonomie der Malerei sowie ihre Spezifität hervor. Mosset untersucht mit seinen „shaped canvases“ die Beziehung zwischen Bild und Objekt, zwischen Malerei und Skulptur. Olivier Mosset lernte Malerei in den 1960er-Jahren in Paris, wo er als Assistent von Jean Tinguely und Daniel Spoerri arbeitete und den Kreis der Nouveaux Réalistes frequentierte. 1966 gründete er die BMPT-Gruppe mit den Künstlern Daniel Buren, Michel Parmentier und Niele Toroni. Olivier Mosset vertrat die Schweiz auf der 44. Biennale in Venedig 1990. Seine Werke befinden sich in den Sammlungen von Institutionen wie dem MAMCO in Genf, das ihm ab Februar 2020 eine Retrospektive widmet, dem Centre Pompidou in Paris und dem MuMoK Wien. Das Haus Konstruktiv in Zürich widmete Mosset 2019 eine Retrospektive.

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  • Pique-nique Sauvage 1
  • Inkjet auf Chromolux und Nagellack
  • Auflage: 22
  • Blattgröße: 16,00 cm x 36,00 cm
  • Produktion: OK Haller, Zürich
  • CHF 360.00
  • verfügbar
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  • Pique-nique Sauvage 2
  • Inkjet auf Chromolux und Nagellack
  • Auflage: 22
  • Blattgröße: 20,00 cm x 33,00 cm
  • Produktion: OK Haller, Zürich
  • CHF 360.00
  • verfügbar
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  • Pique-nique Sauvage 3
  • Inkjet auf Chromolux und Nagellack
  • Auflage: 22
  • Blattgröße: 20,10 cm x 29,00 cm
  • Produktion: OK Haller, Zürich
  • CHF 360.00
  • verfügbar
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Der kreative Prozess von Louisa Gagliardi geht von einer Handskizze aus, die sie mit dem Handy fotografiert, um dann digital fortzufahren. Grafik-Programme sind zentrale Werkzeuge für ihre Kompositionen: Vektorisiert und mit Farbe bearbeitet, werden die Skizzen zu Computerzeichnungen und manchmal nach dem Druck wieder von Hand retuschiert. Wie in ihren grossen Arbeiten auf PVC oder Plexiglas hat sich Gagliardi bei diesen drei Editionen dafür entschieden, von Hand eine Schicht Nagellack auf das Werk aufzutragen, was jedes einzelne Exemplar dem Unikat nahebringt. Neben den technischen Prozessen und der Materialwahl gehört auch die „malerische”“ Bildwelt Gagliardis zur unverwechselbaren Ästhetik der Künstlerin. Fast immer werden Geschichten von geschlechtsneutralen, asexuellen menschlichen Körpern angedeutet. Dies macht die Figuren abstrakter und erlaubt es dem Betrachter, seine eigene Narration zu projizieren, seine eigenen Protagonisten nachzubilden. Das Handeln der Körper ist jedoch sehr suggestiv und spiegelt die gegenwärtigen Übel der westlichen Gesellschaft wider.
Gagliardi malt die Konsumgesellschaft in all ihrer wohlwollenden Grausamkeit. Sie erklärt, dass mit dem Zugang zu allen Konsumgütern zu jeder Jahreszeit – Erdbeeren im Winter oder Lachs zu allen Mahlzeiten – die Wertschätzung, die Referenzen und der Kontakt mit dem Wesen der Produkte verloren gehen. In der Serie Pique-Nique Sauvage (wildes Picknick) kommen Menschen aus den Fettlinien der Lachsstücke heraus. Einige scheinen zu kämpfen, wortwörtlich aus dem Bild zu steigen und an Volumen zu gewinnen, andere ruhen wie im Schlaf – nach der Feier, Katerstimmung. Wer sind diese Körper in den Lachsstücken, die sich gebärden, als wären sie gefangen oder steckengeblieben? Die Zeichnungen sind offen für Interpretationen, sie zwingen aber auch zur längeren Betrachtung, die nötig ist, um die Körper und Objekte überhaupt zu erkennen – eine hohe Konzentrationsanforderung in einer Zeit, in der Apps, News und Social Media unsere Aufmerksamkeit zu monopolisieren versuchen.
Louisa Gagliardis Bilduniversum ist sowohl surreal als auch intim, sinnlich und geheimnisvoll. Ausgehend von Stiftskizzen arbeitet Gagliardi ihre Bilder am Computer aus, indem sie glatte und leuchtende Oberflächen, Licht- und Schattenspiele, Effekte von Transparenz und Tiefe schafft. Die menschliche Figur, die in den Kompositionen der Künstlerin fast allgegenwärtig ist, lädt uns ein, über den Zustand und die Stimmung des Einzelnen in der heutigen Gesellschaft nachzudenken.

Bevor sie sich mehr der Malerei zuwandte, absolvierte Louisa Gagliardi eine Ausbildung in Grafikdesign und Illustration. Nach ihrem Bachelor-Abschluss in Grafikdesign an der École cantonale d'art de Lausanne (ECAL) im Jahr 2012 erhielt sie 2014 den Swiss Design Award. Heute stellt sie international in renommierten Galerien aus.

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  • She-Devils on Wheels - red
  • Siebdruck auf Banner mit gravierten Nieten
  • Auflage: 3
  • Abmessung: 45,00 cm x 210,00 cm x 0,20 cm
  • Produktion: Sylvie Fleury
  • CHF 2000.00
  • vergriffen
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  • She-Devils on Wheels - white
  • Siebdruck auf Banner mit gravierten Nieten
  • Auflage: 3
  • Abmessung: 45,00 cm x 210,00 cm x 0,20 cm
  • Produktion: Sylvie Fleury
  • CHF 2000.00
  • vergriffen
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  • She-Devils on Wheels - orange
  • Siebdruck auf Banner mit gravierten Nieten
  • Auflage: 3
  • Abmessung: 45,00 cm x 210,00 cm x 0,20 cm
  • Produktion: Sylvie Fleury
  • CHF 2000.00
  • vergriffen
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  • She-Devils on Wheels - pink
  • Siebdruck auf Banner mit gravierten Nieten
  • Auflage: 3
  • Abmessung: 45,00 cm x 210,00 cm x 0,20 cm
  • Produktion: Sylvie Fleury
  • CHF 2000.00
  • vergriffen
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„She-Devils on Wheels“, der Automobilklub, der von Sylvie Fleury in den 1990er-Jahren ins Leben gerufen wurde, ist nach einem bekannten, feministischen Exploitationfilm aus dem Jahre 1968 benannt, der von einer weiblichen Biker-Gang handelt.. „She-Devils on Wheels – Headquarters“ wurde als raumgreifende Installation im MAMCO in Genf, in der Villa Stuck in München und im Migros Museum für Gegenwartskunst in Zürich gezeigt, in dessen Sammlung es seitdem aufgenommen wurde.
Narrative rund um Konsum und Feminismus werden von Fleury seit den 1990er-Jahren virtuos miteinander verknüpft und in Malereien, Installationen, Skulpturen und Slogan-Bannern materialisiert. Es ist eine Synthese von Appropriation- und Pop-Art, die den Luxus und die Liebe zu Autos und Modeobjekten im Alltagsleben unserer Gesellschaft thematisiert und auf eine romantisch-poetische Weise verherrlicht.
Die vier neu geschaffenen Werke She-Devils on Wheels – red, white, orange, pink verweisen auf die Wichtigkeit der Kombination der Narrative des Feminismus und der Liebe zu Konsum und Geschwindigkeit. In dem gleichnamigen Video aus dem Jahre 2008 sind jungen Bikerinnen im Wald unterwegs, wo sie mit Pistolen und Maschinengewehren in ästhetisch stilvoller Manier zu einem Lo-Fi-Soundtrack Chanel-Taschen zerstören. Die Vision eines dezidiert weiblichen Konsums und Hedonismus, die sich in diesen Arbeiten widerspiegelt, erinnert uns an gewisse Fantasien einer Eroberung der Gesellschaft durch Frauen. Das Spiel mit der Werbeästhetik ist in Fleurys Kunst Teil der konzeptuellen Auseinandersetzung mit dem Fetischcharakter der Ware und des Objektes an sich, sei es eine Tasche oder ein Kunstwerk.
Die für die Ausstellung geschaffenen Banner wurden in vier verschiedenen Farben per Hand im Siebdruck produziert. Jedes Banner wurde des Weiteren per Hand mit „She-Devils on Wheels“-Nieten versehen. Hier greift die Künstlerin auf die klassische Form des industriell produzierten Banners zurück, das nicht nur für Werbung, Autohändler und Verkaufsstände steht, sondern auch für den Ausdruck verschiedener Kunstströmungen seit den 1960er-Jahren – ob als Pop-Art Banner oder konzeptuelle Installation. Es suggeriert eine Mischung aus Narrativen in Bezug auf zeitgenössische Machtverhältnisse, Identitätspolitik, Sexualität und Konsumgesellschaft.
Aufgrund ihres überschäumenden Glamours und Glanzes bleiben die Werke von Sylvie Fleury selten unbemerkt. Die autodidaktische Genfer Künstlerin schöpft die Inspiration für ihre Ästhetik und Motive aus der Welt der Mode- und Luxusprodukte sowie aus dem Milieu der Motorradfahrer und der Formel 1. Ob es sich dabei um eine subversive Kritik an der Konsumgesellschaft und ihren oberflächlichen Werten oder im Gegenteil um eine Verherrlichung dieser handelt – die Interpretation bleibt jedem selbst überlassen.

Sylvie Fleurys Werke befinden sich in vielen internationalen Sammlungen, darunter im MoMA in New York, im Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, im Museum der Moderne in Salzburg und im MAMCO in Genf. Ihre permanente Installation «ETERNITY NOW» ziert die Fassade des Bass Museum of Art in Miami.

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  • Als eine abstrakt Komposition über ein Zimmer für sich alleine 1
  • Siebdruck, Gouache und Collage (Unikate)
  • Auflage: 30
  • Blattgröße: 42,00 cm x 29,50 cm
  • Produktion: UDK Siebdruck, Katja Borchert, Berlin
  • CHF 480.00
  • verfügbar
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  • Als eine abstrakt Komposition über ein Zimmer für sich alleine 2
  • Siebdruck, Gouache und Collage (Unikate)
  • Auflage: 30
  • Blattgröße: 42,00 cm x 29,50 cm
  • Produktion: UDK Siebdruck, Katja Borchert, Berlin
  • CHF 480.00
  • verfügbar
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Wenn Valérie Favre dafür bekannt ist, die Malerei auf grossen Leinwänden durch die Überlagerung von Farben vibrieren zu lassen, so ist es die Kombination von grafischen, textlichen und fotografischen Elementen in der Arbeit Als eine abstrakt Komposition über „Ein Zimmer für sich allein“ , die den Betrachter erzittern lassen. Die Malerei ist jedoch nicht verschwunden. Eine abstrakte Siebdruck-Komposition, die an die konstruktivistischen Werke von Max Bill (1908-1994) erinnert, umgibt vier Seiten aus einer Ausgabe von Virginia Woolfs (1882-1941) Roman Ein Zimmer für sich allein. Die nebeneinander gereihten Seiten sind selbst Träger eines zweiten Siebdrucks. Dieser zeigt dem Betrachter ein fotografisches Selbstporträt der Künstlerin, auf dem sie ein Dreieck in den Händen hält. Um Bill möglichst ähnlich zu sehen, fotografierte sich Favre, nachdem sie ihr Haar sehr kurz rasiert hatte, und posierte als Ballerina – abzüglich des Tutus.
Hier verleiht das Zusammenspiel der verschiedenen Elemente den Motiven eine neue Bedeutung, wobei die Ungleichheit der Geschlechter in Bezug auf schöpferische Tätigkeiten und Meinungsfreiheit zum Ausdruck kommt. Virginia Woolf zeigt in ihrem Roman von 1929, inwieweit die Möglichkeit des Menschen, fiktionale Welten zu schaffen, von materiellen Bedingungen abhängt. Sie erörtert in ihrem einzigartigen Stil, warum so viel Literatur über Frauen geschrieben wurde und so wenig von Frauen. Favres Bezugnahme auf Bill verbindet den kreativen Aspekt mit der Gleichstellung der Geschlechter im Rahmen der Bürgerrechte. Liest man die Pose der Künstlerin als Entschluss, sich Papier und Raum mithilfe abstrakter Formen anzueignen, so tritt eine direkte Referenz auf die Schweizer Politikgeschichte zutage: Während Max Bill seit 1967 Mitglied des Nationalrates war, erhielten Frauen in der Schweiz erst 1971 das Wahlrecht. So werden die Formen von Valérie Favre auf intime Art und Weise politisch.
Die von hybriden Kreaturen und Archetypen bevölkerten Gemälde von Valérie Favre zeichnen sich durch eine zauberhafte Morbidität, eine duftige Brutalität, eine groteske Zartheit aus. Ende der 80er-Jahre wandte sich Favre der Malerei zu, nachdem sie in der Theaterwelt gearbeitet hatte. Seither setzt sie sich gründlich mit diesem Medium auseinander und nutzt es als Mittel, um über die uns umgebende Welt nachzudenken. Ihre Werke, die Reduktion und Ausdruckskraft vereinen, zeichnen sich durch eine einzigartige Bildsprache aus.

Valérie Favre ist seit 2006 Professorin für Malerei an der Universität der Künste Berlin. Sie wurde 2012 für den Marcel-Duchamp-Preis nominiert. Zahlreiche Institutionen haben ihr eine monografische Ausstellung gewidmet, darunter das Musée d’art et d’histoire in Neuenburg (2017), die Kunsthalle van der Heydt in Wuppertal (2016), das Musée d’Art moderne et contemporain in Strassburg (2015) und das Kunstmuseum Luzern (2009).

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  • Positive copy (Replica), 2019
  • Inkjet auf Canson Baryta
  • Auflage: 22
  • Blattgröße: 60,00 cm x 46,00 cm
  • Produktion: PRO image service, Paris
  • CHF 440.00
  • verfügbar
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  • Preis ohne Rahmen
  • Different time (Replica), 2019
  • Cibachrome (Unikate)
  • Auflage: 11
  • Blattgröße: 32,50 cm x 22,00 cm
  • Produktion: Cadre en Seine Choi, Paris
  • CHF 1500.00
  • verfügbar
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  • Preis ohne Rahmen
  • A frame in a frame in a frame (Replica), 2019
  • Inkjet auf Canson Rag und PP (Unikate)
  • Auflage: 22
  • Blattgröße: 69,00 cm x 52,00 cm
  • Produktion: PRO image service, Paris
  • CHF 600.00
  • verfügbar
  • Anfragen
  • Preis ohne Rahmen

Als Ausgangspunkt für seine neuen Arbeiten dient Philippe Decrauzat der Barcelona-Pavillon von Mies van der Rohe. Vor allem geht es in den drei Werkreihen um Bilder der Marmorfassade des späteren Nachbaus, einer Replik des Monuments der Hochmoderne. In seinem 2019 für die institutionelle Einzelausstellung der Blueproject Foundation in Barcelona geschaffenen Film „Replica“ hat Decrauzat einen 16mm Farbfilm erzeugt, der Nahaufnahmen des Marmors zeigt. Decrauzat, der sich der Untersuchung der Abstraktion in Form der Wahrnehmung im Alltag – sei es in Architektur, Wissenschaft oder Sprache – verschreibt, dekonstruiert in seinen neuen Arbeiten die Materialitäten der Architektur und die des Films. Diese Dekonstruktion geschieht in drei verschiedenen Formen: als Repräsentation des laufenden Films, als Abbild eines Ausschnitts vergrösserter Marmordarstellung, sowie zuletzt als das Objekt der Filmrolle selbst.
In dem Werk Different Time (Replica), 2019 wurden Bilder des Films, der aus einzelnen, zum Teil übereinander gelegten Aufnahmen besteht, in elf verschiedenen Unikaten als Cibachrom-Abzüge realisiert. Die spannende Wirkung der Technik des Cibachroms, die einen positiv-positiven Abzug ermöglicht, spielt mit der klassischen Idee der Umkehrung, die vielen Gemälden von Philippe Decrauzat zugrunde liegt. Die dunklen Umrisse der Filmrolle, die den Arbeiten ein Randgerüst geben, fungieren ähnlich wie die schwarzen Wandskulpturen des Künstlers, in denen er die Idee des Raums als Leinwand neu definiert.
Die Arbeit A frame in a frame in a frame (Replica), 2019 ist ein Inkjetprint basierend auf der Vergrösserung eines Marmorstills des Films Replica. Der Marmor ist so detailliert abgebildet, dass es sich um abstrakte Malerei handeln könnte. Jede Arbeit ist durch ein eigens vom Künstler konzipiertes Passepartout versehen, das immer einen anderen Ausschnitt und somit eine andere Perspektive auf die Materialität des Marmors zeigt. Somit sind die Arbeiten konzeptuelle, serielle Unikate, die auch als Installation in einer Gruppe funktionieren.
Mit Positive Copy (Replica), 2019 wird uns eine weitere Dimension der Materialität des Pavillons von Mies van der Rohe und seiner Abbildungen vor Augen geführt. Eine grüne, schlangenartig anmutende Kreisform wirkt zunächst wie ein abstraktes Gemälde Decrauzats, ist aber eine weitere Repräsentation des Pavillons und des Films Replica. Es handelt sich um eine Filmrolle von „Replica", die auf einem weissen Untergrund abgelichtet wurde.
Mit dieser Serie an Arbeiten erforscht Decrauzat Erzählstränge zwischen Objekten und Bildern. Bilder, die heute schneller reisen als die Objekte selbst, schaffen Projektionen und Abstraktionen des wahren Charakters der Objekte, wie beispielsweise des Mies van der Rohe Pavillons, dessen ephemeres Urbild nur als fotografisches Abbild oder nachgebaute Replik existiert. Damit untersucht Decrauzat, wie auch in seinen Malereien und Skulpturen, die Transformation unserer Wahrnehmung und des materiellen Charakters von Abbildern.
Philippe Decrauzats Wandmalereien, Gemälde, Installationen, Filme und Skulpturen wurzeln im Erbe der abstrakten Kunst des 20. Jahrhunderts und führen die für die Op-Art typische Suche nach visuellen Verzerrungen fort. Mehr als ein formaler Ansatz, ist die Abstraktion für den Künstler eine Methode, ein konzeptionelles Werkzeug. Decrauzats kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der geometrischen Abstraktion bezieht ihre Inspiration aus verschiedenen Bereichen wie Grafikdesign, Architektur, Wissenschaft, Musik und Kino.

Seit 2000 ist Philippe Decrauzat Professor an der École cantonale d'art de Lausanne (ECAL), wo er 1999 sein Diplom in Bildender Kunst erhielt. Er ist zudem Gründungsmitglied der unabhängigen Kunsthalle Circuit, die seit 1998 in Lausanne tätig ist. Seine Werke befinden sich in vielen internationalen Sammlungen, darunter der des MoMA in New York, des Museo de Arte Contemporáneo in Buenos Aires, des Kunsthauses Zürich und des Centre Pompidou in Paris.

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  • Untitled (Tie)
  • Filz, Holz, Krawatten-Pin (Unikate)
  • Auflage: 15
  • Abmessung: 70,00 cm x 14,00 cm x 0,80 cm
  • Produktion: Atelier Vladimir Boson, Lausanne
  • CHF 680.00
  • verfügbar
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Der Alltag ist geprägt von einer unüberschaubaren Anzahl von Interaktionen mit Objekten. Wir sind mit der Form dieser Objekte zwar vertraut, doch nehmen wir sie vor allem für ihren Nutzen wahr. Maschinen, Möbel und andere Utensilien werden mit Blick auf den Zweck, für den sie hergestellt wurden, betrachtet. Indem Alfredo Aceto diese Objekte von ihrem üblichen Gebrauch entfremdet, ihre Formen in Materialien wie Glasfaser, Harz oder Filz umsetzt und ihre Abmessungen verändert, verwandelt er den Blick des Betrachters. Auf die Frage „Was genau macht der Künstler“ würde die Vorgehensweise Acetos dem Philosophen Henri Bergson Recht geben: „Er schaut die Realität nackt und ohne Schleier an.“ Diese Annäherung an das Objekt, die über dessen Funktionalität hinausgeht, bietet einen neuen Zugang zur Realität und ermöglicht es uns, die Dinge an und für sich selbst zu sehen. Ob inspiriert von Cartier-Fingerringen, gotischen Wasserspeiern auf Kirchenfassaden, Auspufftöpfen oder Krawatten, Aceto hat sich zu einem Meister entwickelt, der die Ästhetik des Details hervorhebt und den allgemeinen Blickwinkel neu ausrichtet.
Die für die Edition VFO geschaffene Werkreihe Untitled (Tie) folgt dieser Linie und unterstreicht dabei die Verbindung von Kunst und Design. Über die Form des Objekts hinaus steht die Materialität im Mittelpunkt. Wenn Untitled (Tie), wie der Name schon sagt, alle Eigenschaften einer Krawatte zu haben scheint, unterscheidet sie sich durch ihren Wandcharakter. Das Textil umgibt das Holz, als ob es auf einem Rahmen ruhen würde. Diese Struktur ermöglicht ein einfaches Aufhängen an jeder Art von Wand und verhindert zugleich, dass das Werk um den Hals getragen werden kann. Obwohl die Krawatte selbst ein stark konnotiertes Accessoire ist, verweisen die im Werk beinhalteten Symbole und Referenzen in gleichem Masse – oder vielleicht sogar noch stärker – auf das verwendete Textil: Filz. Joseph Beuys wählte diesen aus Tierhaaren, oft von Kaninchen und Hasen, gefertigten Stoff als Totem-Material, „ausgestattet mit der Kraft zu bewahren und zu schützen, aber auch magisches Bindeglied zwischen Natur und Kultur, Geburt und Tod, Bestialität und Menschlichkeit“. Was geschieht nun bei Aceto? Ein Augenzwinkern an den Ort des Objekts, eine Form des schamanischen Schutzes? Die unterschiedlichen Broschen, die auf jeder Krawatte angebracht sind, scheinen jedenfalls die Ironie der Geste des Künstlers zu unterstreichen, dieses Spiel zwischen Unikat und Reproduktion, Readymade und Massenanfertigung.
Das kreative Universum von Alfredo Aceto steht an der Schnittstelle zwischen Konzeptkunst und Readymade. Aceto, der für seine Skulptur-Objekte und Installationen bekannt ist, interessiert sich besonders für die Begriffe Zeit und Identität. Seine Arbeiten lösen Sinnesverschiebungen aus und verwandeln gewöhnliche Formen in Vermittlungsmedien von Erzählungen, die zwischen Fiktion, Realität und persönlicher Erfahrung oszillieren. Nicht ohne Humor lädt Aceto uns ein, unsere Vorstellungen von Kunst, Design und Alltagsgegenständen zu hinterfragen.

Seit 2017 unterrichtet Alfredo Aceto Bildende Kunst an der École cantonale d'art de Lausanne (ECAL). Dort erwarb er 2014 seinen Bachelor-Abschluss, bevor er sein Masterstudium an der Mountain School of Art in Los Angeles absolvierte. Aceto erhielt unter anderem 2019 das Kunststipendium der Fondation Leenaards.

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