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Valérie Favre

* 18.8.1959 Evilard, lebt und arbeitet in Berlin https://www.valeriefavre.net

  • Als eine abstrakt Komposition über ein Zimmer für sich alleine 1
  • Siebdruck, Gouache und Collage (Unikate)
  • Auflage: 30
  • Blattgröße: 42,00 cm x 29,50 cm
  • Produktion: UDK Siebdruck, Katja Borchert, Berlin
  • CHF 480.00
  • verfügbar
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  • Als eine abstrakt Komposition über ein Zimmer für sich alleine 2
  • Siebdruck, Gouache und Collage (Unikate)
  • Auflage: 30
  • Blattgröße: 42,00 cm x 29,50 cm
  • Produktion: UDK Siebdruck, Katja Borchert, Berlin
  • CHF 480.00
  • verfügbar
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Wenn Valérie Favre dafür bekannt ist, die Malerei auf grossen Leinwänden durch die Überlagerung von Farben vibrieren zu lassen, so ist es die Kombination von grafischen, textlichen und fotografischen Elementen in der Arbeit Als eine abstrakt Komposition über „Ein Zimmer für sich allein“ , die den Betrachter erzittern lassen. Die Malerei ist jedoch nicht verschwunden. Eine abstrakte Siebdruck-Komposition, die an die konstruktivistischen Werke von Max Bill (1908-1994) erinnert, umgibt vier Seiten aus einer Ausgabe von Virginia Woolfs (1882-1941) Roman Ein Zimmer für sich allein. Die nebeneinander gereihten Seiten sind selbst Träger eines zweiten Siebdrucks. Dieser zeigt dem Betrachter ein fotografisches Selbstporträt der Künstlerin, auf dem sie ein Dreieck in den Händen hält. Um Bill möglichst ähnlich zu sehen, fotografierte sich Favre, nachdem sie ihr Haar sehr kurz rasiert hatte, und posierte als Ballerina – abzüglich des Tutus.
Hier verleiht das Zusammenspiel der verschiedenen Elemente den Motiven eine neue Bedeutung, wobei die Ungleichheit der Geschlechter in Bezug auf schöpferische Tätigkeiten und Meinungsfreiheit zum Ausdruck kommt. Virginia Woolf zeigt in ihrem Roman von 1929, inwieweit die Möglichkeit des Menschen, fiktionale Welten zu schaffen, von materiellen Bedingungen abhängt. Sie erörtert in ihrem einzigartigen Stil, warum so viel Literatur über Frauen geschrieben wurde und so wenig von Frauen. Favres Bezugnahme auf Bill verbindet den kreativen Aspekt mit der Gleichstellung der Geschlechter im Rahmen der Bürgerrechte. Liest man die Pose der Künstlerin als Entschluss, sich Papier und Raum mithilfe abstrakter Formen anzueignen, so tritt eine direkte Referenz auf die Schweizer Politikgeschichte zutage: Während Max Bill seit 1967 Mitglied des Nationalrates war, erhielten Frauen in der Schweiz erst 1971 das Wahlrecht. So werden die Formen von Valérie Favre auf intime Art und Weise politisch.
Die von hybriden Kreaturen und Archetypen bevölkerten Gemälde von Valérie Favre zeichnen sich durch eine zauberhafte Morbidität, eine duftige Brutalität, eine groteske Zartheit aus. Ende der 80er-Jahre wandte sich Favre der Malerei zu, nachdem sie in der Theaterwelt gearbeitet hatte. Seither setzt sie sich gründlich mit diesem Medium auseinander und nutzt es als Mittel, um über die uns umgebende Welt nachzudenken. Ihre Werke, die Reduktion und Ausdruckskraft vereinen, zeichnen sich durch eine einzigartige Bildsprache aus.

Valérie Favre ist seit 2006 Professorin für Malerei an der Universität der Künste Berlin. Sie wurde 2012 für den Marcel-Duchamp-Preis nominiert. Zahlreiche Institutionen haben ihr eine monografische Ausstellung gewidmet, darunter das Musée d’art et d’histoire in Neuenburg (2017), die Kunsthalle van der Heydt in Wuppertal (2016), das Musée d’Art moderne et contemporain in Strassburg (2015) und das Kunstmuseum Luzern (2009).

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