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Alfredo Aceto

*29.3.1991 Turin, lebt und arbeitet in Genf http://alfrediaceto.it

  • Untitled (Tie)
  • Filz, Holz, Krawatten-Pin (Unikate)
  • Auflage: 15
  • Abmessung: 70,00 cm x 14,00 cm x 0,80 cm
  • Produktion: Atelier Vladimir Boson, Lausanne
  • CHF 680.00
  • verfügbar
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Der Alltag ist geprägt von einer unüberschaubaren Anzahl von Interaktionen mit Objekten. Wir sind mit der Form dieser Objekte zwar vertraut, doch nehmen wir sie vor allem für ihren Nutzen wahr. Maschinen, Möbel und andere Utensilien werden mit Blick auf den Zweck, für den sie hergestellt wurden, betrachtet. Indem Alfredo Aceto diese Objekte von ihrem üblichen Gebrauch entfremdet, ihre Formen in Materialien wie Glasfaser, Harz oder Filz umsetzt und ihre Abmessungen verändert, verwandelt er den Blick des Betrachters. Auf die Frage „Was genau macht der Künstler“ würde die Vorgehensweise Acetos dem Philosophen Henri Bergson Recht geben: „Er schaut die Realität nackt und ohne Schleier an.“ Diese Annäherung an das Objekt, die über dessen Funktionalität hinausgeht, bietet einen neuen Zugang zur Realität und ermöglicht es uns, die Dinge an und für sich selbst zu sehen. Ob inspiriert von Cartier-Fingerringen, gotischen Wasserspeiern auf Kirchenfassaden, Auspufftöpfen oder Krawatten, Aceto hat sich zu einem Meister entwickelt, der die Ästhetik des Details hervorhebt und den allgemeinen Blickwinkel neu ausrichtet.
Die für die Edition VFO geschaffene Werkreihe Untitled (Tie) folgt dieser Linie und unterstreicht dabei die Verbindung von Kunst und Design. Über die Form des Objekts hinaus steht die Materialität im Mittelpunkt. Wenn Untitled (Tie), wie der Name schon sagt, alle Eigenschaften einer Krawatte zu haben scheint, unterscheidet sie sich durch ihren Wandcharakter. Das Textil umgibt das Holz, als ob es auf einem Rahmen ruhen würde. Diese Struktur ermöglicht ein einfaches Aufhängen an jeder Art von Wand und verhindert zugleich, dass das Werk um den Hals getragen werden kann. Obwohl die Krawatte selbst ein stark konnotiertes Accessoire ist, verweisen die im Werk beinhalteten Symbole und Referenzen in gleichem Masse – oder vielleicht sogar noch stärker – auf das verwendete Textil: Filz. Joseph Beuys wählte diesen aus Tierhaaren, oft von Kaninchen und Hasen, gefertigten Stoff als Totem-Material, „ausgestattet mit der Kraft zu bewahren und zu schützen, aber auch magisches Bindeglied zwischen Natur und Kultur, Geburt und Tod, Bestialität und Menschlichkeit“. Was geschieht nun bei Aceto? Ein Augenzwinkern an den Ort des Objekts, eine Form des schamanischen Schutzes? Die unterschiedlichen Broschen, die auf jeder Krawatte angebracht sind, scheinen jedenfalls die Ironie der Geste des Künstlers zu unterstreichen, dieses Spiel zwischen Unikat und Reproduktion, Readymade und Massenanfertigung.
Das kreative Universum von Alfredo Aceto steht an der Schnittstelle zwischen Konzeptkunst und Readymade. Aceto, der für seine Skulptur-Objekte und Installationen bekannt ist, interessiert sich besonders für die Begriffe Zeit und Identität. Seine Arbeiten lösen Sinnesverschiebungen aus und verwandeln gewöhnliche Formen in Vermittlungsmedien von Erzählungen, die zwischen Fiktion, Realität und persönlicher Erfahrung oszillieren. Nicht ohne Humor lädt Aceto uns ein, unsere Vorstellungen von Kunst, Design und Alltagsgegenständen zu hinterfragen.

Seit 2017 unterrichtet Alfredo Aceto Bildende Kunst an der École cantonale d'art de Lausanne (ECAL). Dort erwarb er 2014 seinen Bachelor-Abschluss, bevor er sein Masterstudium an der Mountain School of Art in Los Angeles absolvierte. Aceto erhielt unter anderem 2019 das Kunststipendium der Fondation Leenaards.

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